Karrierefaktor berufliche Fortbildung

(Foto: DDRockstar - Fotolia.com)

Der Ansturm auf die Hochschulen und die steigenden Studierendenzahlen sind seit einiger Zeit in aller Munde. Wir sollten eine Gruppe von Fachkräften in den Blick nehmen, die im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auf gleichem Niveau liegen wie Bachelor oder Master, über die jedoch seltener gesprochen wird: Absolventen einer beruflichen Aufstiegsfortbildung, also diejenigen, die sich nach ihrer beruflichen Ausbildung für eine Weiterbildung zum Meister oder Fachwirt entscheiden. Diese Gruppe ist allein im IHK-Bereich mit rund 50.000 Absolventen jährlich quantitativ viel bedeutsamer als gemeinhin angenommen – und nicht nur das:

  • Erstens übernehmen Fortbildungsabsolventen in ihrem Erwerbsleben oft viel Verantwortung,
  • zweitens haben sie hervorragende Entwicklungsperspektiven und
  • drittens verfügen sie über ein gutes Einkommen.

Das und mehr zeigt eine neue Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag der DIHK-Bildungs-GmbH durchgeführt hat.

Fortbildungsabsolventen sind häufig direkte Vorgesetzte

Für eine Beschäftigung mit Führungsverantwortung ist ein Hochschulabschluss keinesfalls Pflicht – im Gegenteil: Berufliche Fortbildung bzw. die Höhere Berufsbildung führt ihre Absolventen sogar häufiger in direkte Personalverantwortung: 47 Prozent der Fortbildungs-, aber nur 39 Prozent der Hochschulabsolventen bekleiden eine solche Position im Beruf. Ebenso sind Meister oder Techniker gegenüber Kollegen öfter fachlich weisungsbefugt als Akademiker (80 versus 69 Prozent). Das heißt, gerade bei Fragen der konkreten betrieblichen Umsetzung geben beruflich Qualifizierte häufiger den Ton an als ihre Kollegen aus den Hochschulen. Und wer als Unternehmer nach praktisch versierten Teamplayern sucht, wird in der Gruppe der Fortbildungsabsolventen besonders oft fündig.

Vielfältige Karriereperspektiven für beruflich Qualifizierte

Auch mit Blick auf ihre beruflichen Entwicklungschancen begegnen sich Meister oder Techniker aus der Weiterbildung und Bachelor-Absolventen von der Hochschule auf Augenhöhe: Insbesondere in Großunternehmen stehen beiden Absolventengruppen ähnlich vielfältige Möglichkeiten offen. Fast neun von zehn Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern stufen die Karrierechancen der beiden Absolvententypen in kaufmännischen Berufsfeldern mindestens als „etwa gleich vielfältig“ ein. Mehr noch: Fortbildungsabsolventen sind aus Sicht der Betriebe nicht so einfach durch Akademiker zu ersetzen: Unternehmenschefs schätzen Fortbildungsabsolventen als fachkundige Mitarbeiter, denen etwas öfter Tätigkeiten „exklusiv“ vorbehalten sind als Akademikern.

 

Zudem fürchten Fortbildungsabsolventen im Vergleich mit Akademikern seltener um den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Dass diese Absolventen der Höheren Berufsbildung sichere Jobs haben und am Arbeitsmarkt als Fachkräfte geschätzt sind, zeigt zudem ein Blick auf die Arbeitslosenquoten: Nur 2,0 Prozent derjenigen, die eine Aufstiegsfortbildung durchlaufen haben, sind aktuell arbeitslos. Bei den Hochschulabsolventen sind es 2,6 Prozent.

Überdurchschnittliche Gehälter für viele Fortbildungsabsolventen

Angesichts dieser Befunde überrascht es nicht, dass beruflich Qualifizierte oft gute Einkommen erzielen: Mehr als 60 Prozent der Unternehmen zahlen an Fortbildungsabsolventen kaufmännischer Fachrichtungen und an Bachelorabsolventen wirtschaftswissenschaftlicher Disziplinen vergleichbare Gehälter. Beim Stundenlohnvergleich zeigt sich, dass 28 Prozent der Fortbildungsabsolventen sogar mehr verdienen als ein durchschnittlicher Akademiker. Im Bereich der Höheren Berufsbildung werden also auch sehr gute Einkommen erzielt: Hier reden wir im Schnitt von Jahresgehältern in Höhe von rund 60.000,- Euro.

Höhere Berufsbildung treibt Innovationen voran

Last but not least profitiert auch die Wirtschaft von Fortbildungsabsolventen – denn die Höhere Berufsbildung ist ein wichtiger Innovationstreiber, wie die Studie zeigt: Unternehmen, die gleichermaßen Akademiker wie Fortbildungsabsolventen beschäftigen, bringen signifikant häufiger Innovationen hervor (63 Prozent) als solche, die zum Beispiel ausschließlich auf Hochschulabsolventen setzen (51 Prozent). Berufliche Bildung ist damit ein wichtiger Wegbereiter und Umsetzungsgarant für betriebliche Innovationen. Konkret: Die guten Ideen des Ingenieurs nutzen nichts ohne den Industriemeister, der sie auch im Detail effizient in den betrieblichen Fertigungsprozess überführt.

Attraktive Perspektiven der Beruflichen Bildung aufzeigen

Die Studienergebnisse sind ein deutliches Signal an junge Leute, sich bei der Wahl ihres Berufswegs alle Möglichkeiten vor Augen zu führen und nicht ausschließlich ein Studium in Betracht zu ziehen: Denn gerade in Zeiten voller Hörsäle werden in den Unternehmen beruflich qualifizierte Fachkräfte immer mehr zum Engpass – und deshalb bieten die Betriebe ihnen vielfältige Entwicklungsperspektiven. Jugendliche und deren Eltern sollten hier genau hinschauen: Denn nach erfolgreicher Erstausbildung stehen den jungen Leuten weitere Möglichkeiten in der Höheren Berufsbildung – wie beispielsweise die Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter oder Industriemeister – offen.

(Foto: john evans - freeimages.com)

Zudem bietet die Höhere Berufsbildung eine echte Aufstiegsoption: Von den Spitzenverdienern unter den Fortbildungsabsolventen verfügen mehr als 70 Prozent als höchsten Schulabschluss nicht über einen Gymnasial-, sondern über einen Haupt- oder Realschulabschluss. Dies zeigt, dass beruflicher Erfolg keineswegs nur mit dem Abitur in der Tasche zu erreichen ist. Insgesamt macht die Studie deutlich: Viele gängige Annahmen, wonach ein akademischer Abschluss in jeder Hinsicht lohnenswerter ist als ein beruflicher, beruhen auf pauschalen Vergleichen sowie auf fragwürdigen Durchschnittswerten.

Höhere Berufsbildung stärken und weiterentwickeln

Generell brauchen wir in Deutschland ein klares Bekenntnis aller verantwortlichen Akteure zur Beruflichen Bildung, einschließlich der Höheren Berufsbildung. Exzellenz durch und in der Praxis – das zeichnet Absolventen der Beruflichen Bildung und in besonderem Maße die Meister und Fachwirte aus. Dies müssen wir immer wieder betonen. Dazu gehört auch, die Gleichwertigkeit der akademischen und beruflichen Bildung deutlich herauszustellen. Die anstehende Novellierung des „Meister-BAföG“ ist in diesem Zusammenhang zwar ein richtiger erster Schritt. Mit Blick auf eine insgesamt ausgewogenere und fairere Bildungsfinanzierung darf es aber auch kein Tabu sein, die „Kostenlos-Kultur“ des Hochschulstudiums generell zu hinterfragen – und den hohen Investitionen der Unternehmen sowie des Einzelnen in berufliche Aus- und Weiterbildung einmal kritisch gegenüberzustellen.

Die Unternehmen werden auch in Zukunft auf beruflich qualifizierte Fachkräfte angewiesen sein. Zugleich ist ein Hochschulstudium für viele junge Leute nach wie vor die erste Wahl. Daher müssen wir immer wieder deutlich machen, dass beruflich Qualifizierte mit Blick auf Verantwortung, Perspektiven und Einkommen den Vergleich mit Akademikern nicht zu scheuen brauchen und beste Chancen auf ein erfülltes Erwerbsleben haben. Die vorliegende Studie liefert dazu wichtige Informationen und Argumente.

 

Quelle: Pressegespräch vom 27.01.2016 mit Dr. Achim Dercks, stellv. DIHK-Hauptgeschäftsführer

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